Die Macht der Begeisterung

Unser Leben ist wunderbar. Es beinhaltet so viele Möglichkeiten, etwas Positives zu erleben, Erfahrungen zu sammeln, Neues zu lernen – und Spaß zu haben. Die Option etwas zu tun, hat aber auch eine Kehrseite: man muss Entscheidungen treffen. Große und Kleine – und jeden Tag aufs Neue. Und nicht immer fallen diese leicht.

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit kennen wir den Stress: man sollte eigentlich Geschenke besorgen, will nicht einfallslos dastehen und seine Lieben enttäuschen. Das erste Problem könnte sein, dass einem nichts einfällt. Das Zweite, dass man die Qual der Wahl zwischen diversen Geschenkideen hat. Kauft man etwas Nützliches – oder lieber was Persönliches, entspricht es auch dem Geschmack der „Zielperson“ und wenn ja, hat sie es nicht schon bereits?

Irgendwann mag man sich endlich entschlossen haben und dann passiert es: gerade noch freudig erregt ob der getroffenen Entscheidung, zögert man plötzlich, weiß nicht recht, sucht nach Entscheidungshilfen, Gründen dafür oder dagegen, Schnäppchen hier, Farbe da – aber kommt nicht zum Punkt. Soll ich es wirklich nehmen? Oder nicht? Tu‘ ich’s oder lass‘ ich’s? Ja oder nein? Plötzlich geraten wir wieder in Zweifel, es ziehen Wolken auf an unserem geistigen Horizont und wir versuchen, uns mit Gewalt aus dieser misslichen Situation zu befreien: „Entscheide Dich endlich. So oder so!“

 

Aber es will nicht gelingen. In dem Maße, in dem wir uns selbst Druck machen, werden wir nur gelähmter, wütender – und unfähiger zur Entscheidung. Geht es tatsächlich nur um den Einkauf, kann man einfach gehen und die Entscheidung vertagen. Wenn es nicht gerade um das Präsent für die Liebste oder den Liebsten geht – und es wieder einmal 5 vor 12 ist.

In beruflichen Angelegenheiten hat man da eher ein Problem. Man steht gerade vor einer Aufgabe, einem wichtigen Projekt (gibt es eigentlich auch andere?) und man verspürt plötzlich überhaupt keine Lust mehr, sich damit auseinander zu setzen. Nicht, weil es Montagmorgen ist oder man seinen Job hasst – sondern scheinbar einfach so. Man wird plötzlich sehr kreativ bei der Suche nach Ausweichmanövern und widmet sich lieber erst all den anderen – sonst so verhassten –  Pflichten („Ich sollte mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen!“). Irgendwann muss man aber einsehen, dass man erwachsen ist oder der rettende Urlaub noch zu weit in der Ferne liegt – und man muss sich der Sache stellen. Man denkt nach über die Lösungsmöglichkeiten, wägt ab, argumentiert mit sich selbst, hält dagegen und verwirft wieder. Aber irgendwie kommt man nicht weiter. Man findet zwar keinen Fehler und eigentlich mag das Ergebnis ganz ok sein – aber irgendwie ist man nicht überzeugt davon. Das hat nicht unbedingt etwas mit rationellem Denken zu tun – es ist vielmehr so ein Bauchgefühl. Und das gefällt uns nicht. Schließlich wird man nicht für seine Zweifel bezahlt oder um Prozesse zu hemmen. Ist das so? Was, wenn dieser Unwillen ein Zeichen ist? Was hat er zu bedeuten? Was geht da in uns vor?
Ob wir nun grundsätzlich keinen Spaß an unserer Arbeit haben oder eigentlich motivierte Workaholics sind und von einem Detailproblem ausgebremst werden – die Auswirkungen scheinen die selben zu sein: Unwilligkeit, Verlangsamung der Entscheidungsprozesse und Handlungsabläufe, Demotivation – bis hin zu Wut oder dem, was die Psychologen „Leistungsverweigerungs-Syndrom" nennen (die beschriebene Flucht vor der eigentlichen Aufgabe in Pseudo-Aufgaben). Aber wo liegt das Problem? Was sind die Ursachen für unsere Empfindungen; was für unser Verhalten? Was nimmt uns die Lust an der Tat?
Die Antwort lautet: Mangelnde Begeisterung. Begeisterung ist das Schlüsselwort. „Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt“ (Joseph von Eichendorff, 1788–1857). Wo die Begeisterung fehlt – ist also der Abgrund. Wer begeistert ist, ist reich. Wer andere begeistern kann: ein König. Oder guter Unternehmer.

Die Begeisterung ist es, die uns zu Höchstleistungen anspornt, Begeisterung steckt an, Begeisterung ist positiv. Sofern sie nicht missbraucht wird. Was dann passieren kann, wissen wir nur zu gut: Wer Massen bewegen kann, hat die Macht. Mit wahrer Begeisterung hat das allerdings nichts zu tun. Sondern mit Motivation im Kontext mit Manipulation. Der Unterschied ist die Wertigkeit. Motive können falsch, können negativer Natur sein. Reine Begeisterung ist dagegen immer positiv. Ist spirituell. Begeisterung bedeutet: wir befassen uns mit dem guten Geist einer Sache.

Begeisterung wirkt sich also nicht nur positiv auf uns und unsere Umgebung aus (begeisterungsfähige Menschen sind glücklicher, gesünder und leben länger) – sie dient auch als Richtungs-Indikator für eben jene Situationen, in denen wir manchmal nicht mehr weiter wissen. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, mich in Momenten der Unschlüssigkeit zu fragen, ob mich eine Sache richtig (!) begeistert. Wenn ich das nicht mit einem klaren „Ja!“ beantworten kann, lass ich die Finger davon. Und nicht nur beim Einkauf. Auch bei unserer Arbeit hat sich diese Methode als sehr nützlich erwiesen: sind wir begeistert von den Ergebnissen unserer Arbeit – einer Broschüre, einem Konzept, einer Lösung – sind wir auf dem richtigen Weg. Sind wir begeistert, sind wir gut. Sind wir gut, werden wir erfolgreich sein. Umgekehrt müssen wir uns fragen, wo der Haken, der verdeckte Fehler ist, wenn uns ein Ergebnis nicht begeistert. Dann müssen wir noch einmal komplett von vorne anfangen – auch wenn uns das kein Kunde bezahlt. Denn Begeisterung fragt nicht nach dem Weg. Begeisterung gibt’s nur am Ziel. Begeisterung ist einer der Schlüssel zum Erfolg.
Zugegeben: das hört sich radikal an. Und sicherlich lassen sich nicht alle Aufgaben so kompromisslos lösen. Aber wir arbeiten dran. Mit Begeisterung.

Autor: Christian Gosciniak

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